Welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Immobilienpreise auf Mallorca?
Welchen Einfluss hat die Pandemie auf die Immobilienpreise auf Mallorca?
Seit Beginn 2020 ist auf Mallorca nichts mehr, wie es einmal war. Die Pandemie hat die Insel fest im Griff. Läden, Restaurants, Diskotheken - alles hat geschlossen, Touristen bleiben aus, Anwohner kämpfen um ihre Existenz. Welchen Einfluss hat diese Krise auf den Immobilienmarkt? Lassen sich derzeit wahre Schnäppchen auf der Insel finden oder muss man gerade tiefer in die Tasche greifen?
Leider ist das Beantworten dieser Frage nicht so einfach, wie es scheint. Denn man muss ganz klar abgrenzen zwischen Immobilien für den einheimischen Markt und Immobilien für den ausländischen Markt - Angebot und Nachfrage variieren stark.
Immobilienpreise im zweiten Quartal nur wenig gefallen
Im zweiten Quartal des Jahres 2020 sind die Immobilienpreise auf den Balearen nach Angaben des nationalen Statistikinstitut Spaniens (INE) um 0,5 % gesunken. Vergleicht man diese Zahlen jedoch mit denen Quartalszahlen vom Vorjahr, sind die Preise um 4,6 % gestiegen. Dabei sind die Preise von Bestandsimmobilien im Vergleich mit dem vorangegangenen Quartal um 0,3 % gefallen, im Vergleich zum Vorjahr jedoch um 4,3% gestiegen. Im Neubaubereich lagen die Preise 8,5% höher als im Jahr 2019, sind jedoch im Vergleich zu den ersten Monaten im Jahr um 3,1 % gesunken.
Zwar sind die Preise im Vergleich mit dem Vorjahr gestiegen, verglichen mit den Zahlen anderer Quartale aus den vorhergehenden Jahren ist dies jedoch eine deutliche Abschwächung. Der Höhepunkt der Preissteigerung von Immobilien lag im vierten Quartal 2017 bei knapp 10 % verglichen mit vorangehenden Quartalen. Dieser Wert wurde seither nicht mehr erreicht. Im Gegenteil: Seitdem fällt die Preissteigerung kontinuierlich und lag in den ersten Monaten des Jahres 2020 bei 6 %.
Trotz sinkender Preissteigerung bleibt Mallorca im internationalen Vergleich die Region mit dem höchsten Preisanstieg im Vergleich zum Jahr 2019.
Leichter Rückgang der Preise seit Mai 2020
Auch das Immobilienportal idealista.com erkennt in seinen Statistiken keinen massiven Einbruch der Immobilienpreise. Im Gegenteil: Im August 2019 lag der Quadratmeterpreis von Immobilien bei 3.027 Euro, im August 2020 jedoch bei 3.060 Euro. Die Quadratmeterpreise sind also trotz Pandemie und Krise um 1,1% gestiegen. Im Mai 2020 war der Preis pro Quadratmeter allerdings auf 3.105 Euro angestiegen. So muss von einem leichten Rückgang seit Mai gesprochen werden. Deutlicher ist der Preisrückgang in La Palma: Dort sind die Preise im Vergleich mit dem Vorjahr um 0,5 % zurückgegangen und der Preisabfall seit Mai schlägt mit 3,9% zu Buche.
Weitere Preisrückgänge erwartet
Natalia Bueno, Präsidentin des Verbandes der Immobilienmakler (API) auf Mallorca geht davon aus, dass sie Preise von Immobilien weiter fallen werden. Angebot und Nachfrage bestimmen den Immobilienmarkt und das Angebot von Immobilien wird sich in Zukunft erhöhen, da einige Eigentümer durch die Wirtschaftskrise zum Verkauf gezwungen sein werden. Durch die steigende Anzahl von Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit wird die Nachfrage nach Immobilien hingegen sinken. Bei vielen Verkäufern, die Ihre Objekte derzeit verkaufen wollen, ist dieser Umbruch am Markt jedoch noch nicht angekommen. Sie versuchen ihre Immobilien zum bisher marktüblichen Preis zu vermarkten. Bueno erklärt jedoch, dass diejenigen, die ihren Preis nicht sofort um 10 Prozent senken, auf ihrem Objekt sitzen bleiben: Sie „verzeichnen derzeit noch nicht einmal Besichtigungen.“
Gefragt sind hochwertige Zweit - und Ferienwohnsitze
Nicht zu vergleichen mit dem einheimischen Immobilienmarkt ist die Nachfrage auf dem Markt nach hochwertigen Zweit- und Ferienwohnsitzen, deren Kaufpreise bei 500.000 Euro und darüber liegt. Nils Fara von Fara Homes erklärt, dass es sich bei der Krise nicht um eine Immobilienkrise handelt und er keinen Einfluss von Corona auf die Immobilienpreise sieht. Er erkennt hingegen, dass für viele Investoren Währungen derzeit nicht mehr sicher seien, da die Staaten derzeit so viel Geld mobilisieren. Sie setzen daher eher „auf andere Werte, wie eben Immobilien.“ Diese Aussicht bestätigt eine Analyse von Engels&Völkers Mallorca: Im Juni 2020 gab es in einigen Lagen einen deutlichen Anstieg von Kundenanfragen. Im Juni lag er bei 110 %, im Juli sogar noch höher. Nach wie vor sei das Interesse an Immobilien vor allem im deutschsprachigen Markt, groß.
Auch Anke Köhler, Inhaberin von CCC Real Estate, kann von einem guten Sommer sprechen: Bis zum 14. August, dem Tag der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, haben sich Immobilien seit dem 1. Juli auffallend gut verkauft. Auch Lutz Minkner von Minkner&Partner konnte im Juli ausgesprochen viele Objekte verkaufen und spricht von einem boomenden Markt. Anke Köhler erklärt, dass die Preise derzeit stabil seien, da viele Eigentümer die Insel nach wie vor nicht besuchen können. Sollten diese Reisebeschränkungen jedoch noch länger anhalten und sich die Situation rund um Corona nicht bessern, könnte die Pandemie laut Anke Köhler auch Auswirkungen auf dem ausländischen Markt haben und es könnte zu Preissenkungen kommen.
Minkener sieht allerdings, wie viele seiner Kollegen bisher keinen Anlass zur Sorge, dass der ausländische Immobilienmarkt einbrechen könnte. Im Gegenteil: Das Geld sei nach wie vor da und warte auf deutsche Girokonten darauf, investiert zu werden.